Gelbringfalter im Baselbiet entdeckt

Montag, 10.7.2017

Ende Juni 2017 gelang Susanne Kaufmann von der Abteilung Natur und Landschaft des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain Sissach nach 88 Jahren der erste Nachweis des Gelbringfalters (Lopinga achine) im Baselbiet. Entdeckt wurde der anmutige Falter im Waldreservat «Chapfflüeli» in Waldenburg, das seit 1999 kantonal geschützt ist.

Die letzte datierte Beobachtung des Gelbringfalters stammt vom 27. Juli 1929 von der Hersbergerweide. Franz Leuthardt vermerkte in seiner Publikation über die Tagfalterfauna der Region Liestal 1933 noch die Sichtern und Arlesheim (gegen die Schönmatt) als weitere Fundorte.

 

Der Gelbringfalter verzeichnete im vergangenen Jahrhundert in Mitteleuropa einen grossflächigen Bestandesrückgang. Als Ursache wird die Umwandlung der mittelalterlichen Witwälder (Weidewälder) in Hochwälder vermutet. Diese Änderung der Waldbewirtschaftung setzte Ende des 19. Jahrhunderts ein und erfasste schliesslich ganz Mitteleuropa. Damit verbunden war eine Verlängerung der Umtriebszeit, das heisst die Bäume wurden nun länger stehen gelassen. Dies hatte schliesslich eine stärkere Beschattung des Waldbodens zur Folge, was für den Gelbringfalter ungünstig war. So verschwand er vielerorts und zählt heute in ganz Mitteleuropa zu den stark gefährdeten Arten.

Deshalb ist es ein Lichtblick, dass eine kleine Population des Gelbringfalters im Baselbiet bis heute überlebt hat. Seit längerem bekannt sind diverse Einzelvorkommen in den Kantonen Solothurn und Aargau. Dort wurden von den kantonalen Naturschutzfachstellen inzwischen spezielle Artenförderprogramme für diesen anmutigen Waldschmetterling eingeleitet. Seit diesem Jahr läuft zudem ein Programm von Pro Natura Schweiz, das genauer untersuchen soll, ob es im Nordwestschweizer Jura noch weitere Vorkommen gibt und welches Umfeld das Überleben der Gelbringfalter begünstigt. Dass die Art im Kanton Basel-Landschaft gerade im Naturschutzgebiet „Chapfflüeli“ noch vorkommt, ist vielleicht kein Zufall. Denn eine grosse Teilfläche des Reservats wurde nach der Unterschutzstellung in einen Lichten Wald umgewandelt mit dem Ziel, die Bestände einiger seltener Pflanzenarten zu fördern. Von den seither durchgeführten Pflegemassnahmen dürfte auch der Gelbringfalter profitiert haben.

 

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